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Grußwort Seiner Eminenz Metropolit Arsenios vor der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich

Am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, fand in Wien die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) statt, die in den Räumlichkeiten der Neuapostolischen Kirche in Wien-Penzing zu Gast war. Den Vorsitz führte der Vorsitzende des ÖRKÖ, Bischof Tiran Petrosyan von der Armenisch-Apostolischen Kirche. Im Mittelpunkt der Versammlung stand der Klima- und Umweltschutz. Eröffnet wurden die Beratungen von Seiner Eminenz Metropolit Arsenios von Austria und Exarch von Ungarn mit einer Ansprache zum Thema „Die Welt als Gabe: Von der Aneignung zur eucharistischen Schau der Schöpfung“.

Ausgangspunkt war die Selbstverpflichtung der Charta Oecumenica, „unser Verständnis von Schöpfung zu ändern, indem wir vom Besitzdenken zur Kontemplation übergehen“. Der Metropolit betonte, dass dieses Wort nicht nur ein weiterer Aufruf zu ökologischer Verantwortung sei, sondern zu „einer Umkehr des Blickes: vom Besitz zur Kontemplation, von der Aneignung zur geistlichen Schau, von der Herrschaft zur Beziehung“ einlade. Die ökologische Krise sei nicht nur eine Krise unseres Handelns, sondern auch eine Krise unseres Sehens, denn noch bevor wir die Welt konsumieren, „haben wir sie innerlich bereits in eine ‚Ressource‘ verwandelt“.

Mit Blick auf das biblische Zeugnis erinnerte er daran, dass die Heilige Schrift mit den Worten „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ beginnt: „Das erste Wort unseres Glaubens über die Welt lautet nicht ‚Besitz‘, sondern ‚Schöpfung‘.“ Der Mensch sei „nicht der Besitzer, sondern der Verwalter“. In einer Kultur, die Freiheit weitgehend mit Autonomie und Selbstgenügsamkeit verbindet, beginne die christliche Anthropologie mit einer anderen Wahrheit: „Ich existiere, weil ich empfange.“ Die Anerkennung dieser Abhängigkeit mindere die Würde des Menschen nicht, sondern zeige, dass wir „Wesen der Beziehung“ sind.

Abschließend betonte Seine Eminenz, dass christliche Spiritualität niemals Flucht aus der materiellen Welt bedeuten könne: „Gott rettet uns nicht aus der Schöpfung heraus. Er rettet uns inmitten der Schöpfung.“ In den Mysterien der Kirche werden Wasser, Öl, Brot und Wein angenommen und geheiligt; darum sei die christliche Kontemplation der Schöpfung keine romantische Bewunderung der Natur, sondern ziele auf „eine eucharistische Wahrnehmung der Schöpfung“.

Anschließend stellten die Mitgliedskirchen ihre Initiativen zum Klimaschutz vor. Jakob Lissy, Klimaschutzreferent der Evangelischen Kirche, präsentierte das Klimaschutzkonzept seiner Kirche mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2035; Axel Isenbart, Umweltbeauftragter der Diözese St. Pölten, verwies auf die Enzyklika „Laudato si’“ und die Umweltziele der Österreichischen Bischofskonferenz. Auch die orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen stellten ihre Initiativen vor, darunter die Fastenpraxis als mögliches Vorbild. Die Kirchen kamen überein, das Thema Klimaschutz dauerhaft in Gesellschaft und Politik einzubringen.

In den Vorstand des ÖRKÖ wurden Bischof Ägidius Zsifkovics von Eisenstadt, der kürzlich die Ökumene-Agenden in der Bischofskonferenz übernommen hat, und die evangelische Bischöfin Cornelia Richter gewählt, die Ingrid Bachler nachfolgt. Der ÖRKÖ bekräftigte zudem seine Beteiligung am Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI) seit 2010; aus Sicherheitsgründen können derzeit keine Freiwilligen entsandt werden.

Der vollständige Wortlaut der Ansprache.