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  • Botschaften

Seiner Eminenz des Metropoliten Arsenios von Austria,
Exarchen von Ungarn und Mitteleuropa

«Siehe, die Hütte Gottes bei den Menschen.» (Offb 21,3)

Hochwürdigste Hierarchen, ehrwürdige Väter, geehrte Amtsträger, fromme, geliebte Brüder in Christus, verehrte Pilger!

Heute feiern wir Pfingsten und die Herabkunft des Geistes an diesem Ort. Der Raum wird dem Unfassbaren dargebracht, das sichtbare Bauwerk der göttlichen Gnade übergeben, das Werk menschlicher Hände wird zum Gefäß der göttlichen Gegenwart.

Heute betet die Kirche Christi um die Einweihung eines heiligen Altares, an dem Himmel und Erde einander begegnen; hier öffnet sich die Tür zur Ewigkeit. Dasselbe heilige Staunen – wenn auch in unvergleichlichen Maßen – erlebte einst der weise Salomo, als er den Tempel zu Jerusalem einweihte, das Unbegreifliche erkannte und ausrief: «Sollte Gott wahrhaftig bei den Menschen auf Erden wohnen?» (3 Kön 8,27 / 2 Chr 6,18). Wie kann Jener, den nicht einmal die Höhen des Himmels fassen, sich herablassen, in einem Bauwerk menschlicher Hände zu wohnen? Und doch offenbart sich gerade hier das Wunder der göttlichen Herablassung.

Dieses große Paradoxon beginnt im unbefleckten Schoß der Gottesgebärerin und setzt sich sakramental in der Kirche fort. Wie die Allheilige zur lebendigen Bundeslade wurde, die den Unfassbaren fasste, so wird auch jede heilige Kirche zu einem kleinen Himmel auf Erden, zu einem Ort, an dem Gott seinem Geschöpf begegnet und das Geschöpf seinen Schöpfer von neuem erkennt. Der Ungeschaffene nimmt das Geschaffene an, der Zeitlose tritt in die Zeit, der Unfassbare wird fassbar, der unsichtbare Gott wird in Christus sichtbar. Heiliges Erschauern erfasst uns, wenn wir erkennen, dass die heilige Kirche Abbild des Reiches Gottes ist. Hier begegnet das «Jetzt» der Geschichte dem «Immer» Gottes, die Zeit öffnet sich der Ewigkeit, und der Mensch vernimmt in der Tiefe seines Herzens seinen ersten und letzten Ruf: «Teilhaber der göttlichen Natur» zu werden (2 Petr 1,4).

Heute wird das Katholikon eingeweiht, die Hauptkirche unseres Klosters Schutz der Allerheiligsten Gottesgebärerin. Ihr heiliger Schutzmantel breitet sich im Bewusstsein der Kirche aus als mütterliche Güte, als Fürsorge und Trost über der ganzen Schöpfung. Unter ihrem heiligen Schutzmantel findet Raum der Schmerz des Menschen, seine Angst, seine Buße und seine Hoffnung. Unser Kloster Schutz der Allerheiligsten Gottesgebärerin trägt ihren Namen und hat die Berufung, selbst zu einem schützenden Mantel zu werden für den Müden, den Verwundeten, für den, der ein wenig Stille sucht, um von neuem die Stimme Gottes zu hören.

Im geistlichen Antlitz des Klosters Schutz der Allerheiligsten Gottesgebärerin leuchtet auch die Gestalt des heiligen Paisios. Sein Leben erinnert den heutigen Menschen daran, dass die große Kraft der Kirche im reinen Herzen verborgen liegt, in der Demut, im Einfühlungsvermögen, im Gebet. Der heilige Paisios hat mit seinem eigenen Dasein gezeigt, was der Mensch werden kann, wenn er Gott die Mitte seines Herzens überlässt.

Die heute einzuweihende heilige Kirche im Kloster Schutz der Allerheiligsten Gottesgebärerin und Heiliger Paisios erfüllt uns mit heiliger Freude. Das Wort «Einweihung» – ἐγκαίνια – verkündet im Griechischen schon von sich aus das «Neue». Heute wird der gewöhnliche Raum «neu», der Altar wird geheiligt, die Kirche wird dem Gottesdienst des einen wahren dreieinigen Gottes übergeben.

Mit der Erneuerung des Raumes aber sind wir alle berufen, erneuerte, neue Menschen zu werden und unablässig die Reinheit des Gewandes zu erneuern, das wir in der Taufe empfangen haben. Die Einweihung der heiligen Kirche ist eine überaus große Gelegenheit, dass eine tiefere Erneuerung sich vollziehe am verborgenen Altar des Herzens aller Gläubigen. Die Heiligung der Steine entspricht der Heiligung der Gedanken; das heilige Myron, dessen Duft den Altar erfüllt, erinnert an den Wohlgeruch eines Lebens, das von der göttlichen Gnade verwandelt ist. «Wisst ihr nicht», sagt der Apostel Paulus, «dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?» (1 Kor 3,16). Gott hat Wohlgefallen daran, jeden Menschen einzuweihen, damit er zur Wohnung des Heiligen Geistes werde und auch sein Herz als heiligen Altar der Liebe heilige.

Als lebendige geistliche Wirklichkeit hat auch die heilige Kirche ein «Herz»: den heiligen Altar. Er ist der Thron des Königs des Alls, die «Opferstätte» der Darbringung der göttlichen Gaben, das Golgotha der Kreuzigung, das lebenspendende Grab und die Quelle der Auferstehung. Auf ihm wird das Geheimnis der Göttlichen Eucharistie vollzogen. Christus ist der Darbringende und der Dargebrachte, der Opfernde und der Geopferte, das Lamm und der Hohepriester, das Opfer und das Leben. Wenn «Das Deine vom Deinigen bringen wir Dir dar überall und für alles» in der Göttlichen Liturgie erklingt, dann kehrt die ganze Schöpfung eucharistisch zu ihrem Schöpfer zurück. Brot und Wein, Früchte der Erde und menschlicher Mühe, werden Gott dargebracht und kehren zum Menschen zurück als Leib und Blut Christi, als Vorgeschmack und Unterpfand des ewigen Lebens.

In der heiligen Einweihungsfeier werden ferner Reliquien heiliger Märtyrer in den heiligen Altar gelegt, die mit ihrem Blut und ihren Kämpfen die Kirche geschmückt haben. Unter dem heiligen Altar ruht das Zeugnis jener, die ihr Blut darbrachten und so das unbedingte Vertrauen auf das göttliche Opfer und auf die Auferstehung bewiesen, wie es im heiligen Buch der Offenbarung beschrieben steht: «Ich sah unter dem Altar die Seelen derer, die hingeschlachtet worden waren um des Wortes Gottes und um des Zeugnisses willen, das sie hatten.» (Offb 6,9). Bei der Feier des heiligen Geheimnisses begegnet das Blut des Märtyrers dem Blut Christi und die Geschichte verwandelt sich in Eucharistie.

Die neue heilige Kirche unseres Klosters wird der Gnade und dem Schutz des heiligen, glorreichen Apostels und Märtyrers Bartholomäus übergeben. Der Schutzpatron der Kirche gehört zu denen, die den Ruf Christi hörten und mit ihrem Leben antworteten, gemäß dem Wort des Herrn: «Gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker …» (Mt 28,19) und «Ihr werdet meine Zeugen sein … bis an das Ende der Erde» (Apg 1,8). Die Apostel empfingen das wahre Leben und trugen es bis an die Enden des Erdkreises als Verkünder des Evangeliums, als Säleute der Hoffnung, als Zeugen des gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Durch die Fürbitten ihres Schutzpatrons, des Apostels Bartholomäus, wird die einzuweihende heilige Kirche stets Ausgangspunkt sein für den Weg von den heiligen Texten und dem Gebet zu den Werken der Hingabe, vom heiligen Altar und den heiligen Geheimnissen hin zur Welt, damit die Freude der Auferstehung die Herzen der Menschen erfülle.

Unsere heutige Freude erhält eine besonders bewegende Dimension, da die Kirche, die den Namen des heiligen Apostels Bartholomäus trägt, mit der ehrwürdigen Person Seiner Allheiligkeit, des Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios, des Stifters dieses heiligen Katholikons, verbunden ist. Seine stifterische Gabe wird zur Tat väterlicher Sorge und zum geistlichen Vermächtnis, denn Generationen von Menschen werden hier monastisch leben, hier knien und ihr eigenes «Herr, erbarme dich» flüstern.

In der Person des Ökumenischen Patriarchen begegnet die väterliche Verantwortung der jahrhundertealten Überlieferung der Großen Kirche Christi und der Sorge um die Einheit der Christen und das Zeugnis der Orthodoxie. Darum wird unsere Dankbarkeit gegenüber Seiner Göttlichsten Allheiligkeit heute zum Dank von Kindern gegenüber dem Vater. Wir danken Ihm für die stifterische Gabe, den väterlichen Segen, das Vertrauen und die geistliche Fürsorge, und wir erbitten, der Herr der Kirche möge Ihm viele, gesunde, friedvolle und gottbehütete Jahre schenken.

Die Kirche freut sich heute auch über die Bruderschaft, die diesen Bauten durch ihr Leben Atem geben wird. Heute wird die heilige Kirche geheiligt; von morgen an beginnt der stille Alltag des Dienstes der Mönche des Klosters Schutz der Allerheiligsten Gottesgebärerin.

Die Öllampen werden entzündet, die Glocke wird läuten, der Psalter wird gelesen, die Göttliche Liturgie wird gefeiert, auf dem Altar werden Namen gelesen und mitten in der Nacht werden wachende Mönche im Gebet verharren. Ihre Sendung ist es, die Flamme des Gebets unauslöschlich zu hüten und auch für jene zu flehen, die aufgehört haben zu wissen, wie man betet.

Die Mönche sind berufen, Hüter des heiligen Vermächtnisses zu werden und zugleich lebendige Steine des geistlichen Bauwerks. Der Gehorsam werde Befreiung vom eigenen Willen, die Besitzlosigkeit Reichtum des Herzens, die Enthaltsamkeit Reinheit des Blickes, das gemeinsame Leben Schule der Liebe. Die Bruderschaft wird täglich lernen, das «Ich» zu verlieren, damit in ihrer Mitte das «Wir» der Kirche geboren werde.

Hier in Sankt Andrä am Zicksee, auf österreichischem Boden, im Herzen Europas, in einer Zeit der Eile und des Lärms, ist das Kloster Schutz der Allerheiligsten Gottesgebärerin berufen, die Stille der Ruhe zu schenken, in der Zerstreuung die Einheit des Gebets, in der Einsamkeit das Gedächtnis der Ewigkeit mitten im Heute. Vielleicht vermag das Schweigen eines Klosters dem heutigen Menschen mehr zu sagen als viele Worte – jenem Menschen, der, umgeben von Informationen, nach Sinn sucht und, im Besitz unzähliger Wege der Kommunikation, nach wahrer Beziehung dürstet.

Das Kloster Schutz der Allerheiligsten Gottesgebärerin hat allmählich im Leben von Sankt Andrä am Zicksee Wurzel geschlagen, mitten unter Menschen, die es aufgenommen, kennengelernt und sich ihm genähert haben. Ihnen gilt heute unsere Dankbarkeit: den Bewohnern, der örtlichen Gemeinschaft, allen, die durch Mitarbeit, Verständnis und offenes Herz dieser Wurzel geholfen haben zu sprießen. Die schönste Erwiderung ihrer Gastfreundschaft wird sein, dass das Kloster sie allezeit in seinem Gebet birgt, ihre Freuden zu Lobpreis macht, ihre Prüfungen zur Fürbitte und ihre Namen zum Gedächtnis vor Gott.

Mit besonderer Dankbarkeit gedenken wir heute der Gabe der römisch-katholischen Kirche und der Diözese Eisenstadt. Die Überlassung von Land für die Errichtung des ersten orthodoxen Klosters in Österreich ist eine Tat, die nun ihren Platz in der Geschichte dieses Ortes hat. Diese Erde empfängt eine zweite Fruchtbarkeit: Sie wird Gedächtnis, Band und Segen.

Unsere Dankbarkeit wendet sich in besonderer Ehrfurcht an den hochwürdigsten Bischof von Eisenstadt, Herrn Ägidius Zsifkovics, dessen Beitrag zur Entstehung und zum Weg dieses Werkes entscheidend war. Die Beziehung, die über die Jahre gewachsen ist, zeigt, wie fruchtbar die persönliche Begegnung werden kann, wenn sie von Vertrauen, Aufrichtigkeit und gegenseitiger Achtung getragen ist.

Es ist von besonderer Schönheit, dass all dies in Sankt Andrä geschieht, an einem Ort, der den Namen des heiligen Apostels Andreas trägt. Der Erstberufene Apostel ist nach kirchlicher Überlieferung mit der Kirche von Konstantinopel verbunden; und hier, an diesem Ort, hat das orthodoxe monastische Leben Erde gefunden, um Wurzeln zu schlagen. Diese Beziehung ruft uns alle, die Wahrheit mit der Liebe zu verbinden. Über jedes menschliche Bemühen hinaus bleibt als Gebet und als Hoffnung das Wort des Herrn: «dass alle eins seien» (Joh 17,21).

Meine Brüder, wenn wir heute auf diese neue Kirche blicken, so lasst uns in ihr das Bild unseres eigenen Lebens erkennen. Sie hat Fundamente – und unser Fundament ist Christus. Sie hat eine Tür – und die Tür ist Christus. Sie hat Licht – und das Licht der Welt ist Christus. Sie hat einen Altar – und unser Leben ist berufen, Opfergabe zu werden. Sie hat Ikonen der Heiligen, denn unsere Bestimmung ist die Heiligkeit. Sie erhebt sich nach oben, denn «wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir» (Hebr 13,14). In ihrer Mitte steht der heilige Altar, wie im Mittelpunkt des Lebens des Christen Christus stehen soll.

Heute feiern wir einen Anfang. Die Mühen jener, die gearbeitet, gegeben, gebaut, gerungen und gebetet haben, gelangen zu einer heiligen Höhe. Von heute an aber beginnt ein anderes Bauen, unsichtbar und tiefer: der Bau der Seelen. Die wahre Größe einer Kirche wird jedes Mal sichtbar, wenn ein Herz zu Gott zurückkehrt, wenn ein Verwundeter Trost findet, wenn ein Sünder mit Tränen niederkniet und mit Hoffnung wieder aufsteht.

Am Ende des Buchs der Offenbarung spricht der, der auf dem Thron sitzt: «Siehe, ich mache alles neu.» (Offb 21,5). Das ist die tiefste Botschaft der heutigen Einweihung. Christus macht alles neu. Er erneuert den alten Menschen durch die Buße, befreit vom Schmerz der Sünde, ebnet den Weg zur Leidenschaftslosigkeit und verwandelt den Tod in einen Übergang zum Leben. Darum lasst uns heute den Herrn um ein noch größeres Wunder bitten als die Einweihung dieser Kirche: Lasst uns flehen, dass Er auch uns einweihe. Dass Er unseren Sinn erneuere, unser Herz reinige, unsere Gebrechen heile und unser Dasein zum Dank an Ihn mache.

Möge also diese heilige Kirche ein Leuchtturm orthodoxen Glaubens werden, ein geistlicher Hafen, eine Werkstatt der Heiligkeit, eine Schule des Gebets und ein Ort der Begegnung des Menschen mit dem lebendigen Christus. Möge die Allerheiligste Gottesgebärerin unablässig ihren heiligen Schutzmantel über das Kloster Schutz der Allerheiligsten Gottesgebärerin ausbreiten. Möge der heilige Apostel Bartholomäus das neue Katholikon behüten und der Bruderschaft apostolischen Sinn schenken. Möge der heilige Paisios die Väter auf ihrem monastischen Kampf begleiten und sie Demut, Einfühlungsvermögen, Geduld und Gebet lehren. Jeder Mensch, der die Schwelle dieser Kirche überschreitet – ob er mit Freude kommt oder mit Tränen, mit starkem Glauben oder mit müdem Herzen – möge empfinden, dass hier eine offene Tür zum Himmel ist.

«Wie lieblich sind deine Wohnungen, Herr der Heerscharen!» (Ps 83,2)

Möge diese einzuweihende heilige Kirche von Geschlecht zu Geschlecht ein Ort der Verherrlichung des dreieinigen Gottes bleiben, Zuflucht der Leidenden, Hafen der Bedrängten, Quelle des Trostes und Vorspiel des himmlischen Jerusalems; ein Ort, an dem die Erde dem Himmel begegnet, die Zeit der Ewigkeit, der Mensch Gott – zur Ehre des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.