1.400 Jahre „Akathistos-Hymnus“ - Hirtenbrief von Patriarch Bartholomaios
Als „Meisterwerk kirchlicher Dichtung, unvergleichliches Denkmal der griechischen Sprache und kunstvoll gewobenes Werk inspirierten theologischen Denkens“ hat Patriarch Bartholomaios I. den „Akathistos-Hymnus“ gewürdigt. Heuer jährt sich zum 1.400. Mal die Komposition dieses Hymnus, der bei weitem nicht nur, aber besonders in der Fastenzeit einen besonderen liturgischen Platz in der Orthodoxen Kirche hat. Am Samstag der fünften Fastenwoche (heuer der 28. März) wird er im Gottesdienst zur Gänze gebetet bzw. gesungen. Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel hat dem Hymnus aus Anlass des Jubiläums heuer einen eigenen Hirtenbrief gewidmet, in dem er u.a. auch die Friedensdimension des Hymnus' hervorhebt.
Der Akathistos-Hymnus rufe jeden Gläubigen auf, wachsam zu sein und standhaft zu bleiben – in Demut und Gebet – „angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit, in diesen schweren Tagen voller Erschütterungen und kriegerischer Konflikte, die die Menschheit durchlebt“, so Patriarch Bartholomaios.
Der „Akathistos-Hymnus“ sei ein stets angemessenes Gebet der Kirche zu Gott, „eine Stimme des frommen Herzens der Christen”. Er sei gleichzeitig Lobpreis, Dank und Bitte und Flehen zu Gott und zur Muttergottes, „die vor Gott mütterliche Freimütigkeit besitzt und stets reichlich ihre mächtige Hilfe und ihren Schutz dem gläubigen Volk der Orthodoxen gewährt“.
Bartholomaios schreibt über den Hymnus zudem: „Bischöfe und Priester singen ihn in Andacht. Mönche rezitieren ihn täglich, und die Gläubigen oft während des ganzen Jahres. Theologen erforschen seine hohen dogmatischen Höhen, Philologen und Literaten tauchen ein in die Tiefen seiner sprachlichen Eleganz und dichterischen Größe. Dichter und Maler lassen sich von seinen leuchtenden lyrischen Bildern inspirieren. Ikonenmaler stellen Szenen aus seinem reichen Inhalt dar. Meister der Kirchenmusik schmücken ihn mit kunstvollen Melodien.“
Der Akathistos-Hymnus preist die Mutter Gottes und fand unter dem Titel „Akathistos der Verkündigung“ Eingang in das liturgische Leben der Orthodoxen Kirche. Der Hymnus entstand wohl im Jahr 626, nachdem die erste Belagerung Konstantinopels abgewehrt worden war. Damals wurde die Stadt von einer Koalition aus Awaren, Slawen und Persern angegriffen. Die Gläubige standen während des gesamten Dankesgottesdienstes. Daher rührt der Begriff „akathistos“ - was „nicht sitzend“ bedeutet.
Fotos: Ökumenisches Patriarchat (www.ec-patr.org)
