Hirtenbrief zum Beginn der heiligen großen vierzigtägigen österlichen Fastenzeit 2026
In seinem Fastenhirtenbrief ermutigt Patriarch Bartholomaios I. die Gläubigen, sich mit Entschiedenheit auf die "Zeit des Fastens und der Umkehr, der Demut und des Gebets, der geistlichen Wachsamkeit und der Solidarität" einzulassen. Der Patriarch räumt dabei auch einmal mehr mit falschen Vorstellungen von Askese auf. Die Zeit des Fastens und der Umkehr sei nicht düster. Die Theologie nenne nicht umsonst die Große Fastenzeit „geistlichen Frühling“ und „Zeit der Freude und des Lichtes“.
Askese sei letztlich ein anderes Wort für „christliche Existenz“; sie verbinde diese mit dem absoluten Vertrauen auf die göttliche Vorsehung, mit der unerschöpflichen geistlichen Freude eines dem Christus geweihten Lebens, mit Selbstüberwindung und Selbsthingabe, mit Liebe zu den Mitmenschen und mit der Achtung vor der gesamten Schöpfung.Askese sei ein „kirchliches“ und kein „individuelles“ Ereignis, betont der Patriarch: „Das Leben in der Kirche ist unteilbar. Umkehr, Gebet, Demut, Vergebungsbereitschaft, Fasten und Werke der Wohltätigkeit sind miteinander verbunden und durchdringen einander.“ In der orthodoxen Tradition gebe es keine Askese als Selbstzweck, „die stets zur Überschätzung der eigenen Anstrengung führt und Tendenzen der Selbstrechtfertigung nährt“. Die Große Fastenzeit sei vielmehr die geeignete Zeit, „die Kirche als Ort und Weise der Offenbarung der Gnadengaben Gottes zu erfahren - stets als Vorgeschmack der Freude der Auferstehung des Herrn, als Grundstein unseres Glaubens und als strahlender Horizont der 'in uns lebenden Hoffnung'“. Unglücklicherweise und zu Unrecht sei die christliche Askese von modernen Denkern als Verneinung der Lebensfreude und als Einschränkung menschlicher Kreativität bezeichnet worden, so Patriarch Bartholomaios weiter. Freilich: „Nichts ist unwahrer als das!“ Die Askese als Befreiung vom Haben und Verhaftetsein an Besitz - und vor allem als Befreiung vom Ich - sei „Quelle und Ausdruck wahrer Freiheit“. - Eine solche Askese führe zur erneuten Entdeckung der Kraft der göttlichen Gnade, der Tiefe des Lebens in Christus und der Hoffnung auf ewiges Leben.
